Matekapelle

Die Geschichte

Die Figur des Pfanna-Mate beruht auf der wahren Geschichte des Mathias Oswald, der 1834 in Schlechtenfeld geboren wurde. Durch eine Familientragödie wurde er zum menschenscheuen Einzelgänger und Sonderling der seinen Lebensunterhalt durch das Sammeln von Alteisen und das Besorgen von Schleifsteinen für die umliegenden Bauern verdiente. Darum wurde er auch im Volksmund Schleifer-Theis genannt.

Seine Behausung bestand aus einer selbstgebauten Stein- Holzhütte im nahegelegenen Wald zwischen Schlechtenfeld und Ehingen. Wenn er seine Behausung verließ, so zog er stets einen alten Karren hinter sich her. Im Laufe der Jahrzehnte wurde aus der Geschichte des Schleifer.Theis die Umdeutung zum kinderlieben Pfanna-Mate, der zur Fasnetszeit mit seinem alten Karren durch die Stadt zog und dabei aus einer großen Pfanne die sogenannten „Kügele“ (kleine Wecken bzw. Semmeln) an die Kinder verteilte.

Im Leben von Matthias Osswald gab es zwei Heiligtümer: Sein Wagen, den niemand berühren und sein Steinhaus, das niemand betreten durfte. So friedete er seine Steinhütte mit Drahtgeflecht und Glasscherben ein, um sie vor unerwünschten Besuchern zu schützen. Kam ihm jemand zu nahe, drohte er ihm mit erhobener Faust.
Bald handelte Matthias auch mit Schleifsteinen und versorgte die Bauern damit. So wurde er bald nur noch “dr Schleifer-Theis” von Schlechtenfeld genannt.

Der Ursprung des Namens Schleifer-Theis kann jedoch auch anders gesehen werden. In unserem Raum erhielten Leute, die ihre Arbeit “schleifen” ließen, also vernachlässigten und sich wenig darum kümmerten, häufig den Namenszusatz “Schleifer” .

Besonders soll er sich um Eisenabfälle und Buntmetalle bemüht haben. Aber auch Tierknochen, Holz und Papier nahm er mit. Viele seiner Sammelfunde und Schätze vergrub er in der Umgebung seiner Hütte. Die Buntmetalle verkaufte er in Ulm. Als in den vergangenen Jahrzehnten Geschirr und Behältnisse bei seiner Hütte gefunden wurden, waren oft Pfennigstücke darin.

Die Kirchen in den Dörfern betrat er nie, aber alljährlich fuhr er zur Beichte in die Wallfahrtskirche Maria Steinbach. Die Bauern wollten von ihm nichts wissen. Almosen bekam er wenig und wenn er seinen Karren bei Fuhrleuten anhängen wollte, vertrieben sie ihn mit der Peitsche.

Vereinsamt starb er am 20. April 1902 in seiner Hütte am Geißholz. Nahe der südlichen Kirchhofsmauer wurde Schleifer-Theis bei der Martinskirche in Kirchen bestattet. Niemand pflegte sein Grab und es verwilderte bald. Müller Peter von der unteren Mühle in Kirchen störte sich daran und sagte zu seiner Tochter Anna:“ Tua doch au dem arma Kerle a paar Bloma aufs Grab.”

Aus dem Heimatbuch Kirchen 1980 (Bericht von Siegfried Mall)

An einem kalten Wintertag wurde in dem armen Bauernhaus der Familie Osswald in Schlechtenfeld ein Junge geboren, der auf den Namen Matthias Oswald getauft wurde. Das Osswaldsche Anwesen befand sich hinter der Dorfkapelle. Es wurde später abgebrochen.

Die Tragik im Leben des Schleifer-Theis hängt eng mit der Entscheidung seines Vaters zusammen, den Hof nicht ihm, dem ältesten Sohn, sondern der jüngeren Schwester und dem Schwiegersohn zu übertragen. Es kam zu folgenschweren Auseinandersetzungen zwischen Matthias und seinem Schwager, die zuletzt handgreiflich wurden und mit dem tödlichen Sturz des Schwagers in der Tenne endeten. Jetzt verließ Matthias das Dorf, zog sich in das Geißholz nahe dem Kohlenberg zurück.

Matthias entwickelte sich immer mehr zu einem Sonderling, war voller Mißtrauen und mied, so gut es ging, die Nähe der Menschen. Das Scheitern in der festgefügten sozialen Ordnung des Dorfes bedeutete früher häufig ein Ausgestoßensein für immer. 

Matthias führte nun in seiner einsamen Steinhütte, die er lediglich mit aufeinander geschichteten Steinen erbaute, das Leben eines kauzigen und verbitterten Einzelgängers. Er hatte kaum das Nötigste zum Leben. Seine kärgliche Existenz sicherte er sich durch seine Sammeltätigkeit. Mit einem zweirädrigen Holzkarren zog er durch die Dörfer der Umgebung und sammelte alles, was zu bekommen war.

Den oft schwer beladenen Karren führte er an einer Leitdeichsel, und der Zugriemen schnitt sich tief in seine gebeugte Schulter ein. Wie alte Kirchener noch zu erzählen wissen, ging Matthias meist barfuß, führte in der Hand einen aus Waldholz geschnitzten, speerartig zugespitzten Stock und trieb sich an steilen Weg strecken mit Peitschenschlägen selbst an. Sein Bart soll fast das ganze Gesicht bedeckt haben.